Welcher Persönlichkeitstyp bin ich? Persönlichkeitstypen und die Forschung
Welcher Persönlichkeitstyp bin ich? Die Forschung legt nahe, besser zu fragen, wo du bei einigen wenigen Eigenschaften stehst. Die meisten Menschen fallen nicht in saubere Gruppen: Die Werte auf den Skalen hinter den beliebten sechzehn Persönlichkeitstypen häufen sich in der Mitte, statt sich in zwei Lager zu teilen[1], und eine klassische Studie fand, dass diese Skalen vier der fünf Eigenschaften der Big Five messen und keine getrennten Typen[2]. Typen können trotzdem eine praktische Kurzform sein, und eine große Studie fand tatsächlich einige häufige Profile, auch wenn andere sie anzweifeln[3][4].
Typen und Eigenschaften
Ein Typ steckt dich in eine Schublade: introvertiert oder extravertiert, Denker oder Fühler. Eine Eigenschaft setzt dich auf eine Skala: wie viel von etwas du hast, von sehr wenig bis sehr viel. Die beiden Ideen sagen Verschiedenes voraus. Gäbe es Menschen wirklich in Typen, würden sich die Werte in getrennten Gruppen häufen, mit wenigen Menschen dazwischen. Besteht die Persönlichkeit aus Eigenschaften, liegen die meisten nahe der Mitte, und zu jedem Ende hin werden es immer weniger.
Damit lässt sich die Frage mit Daten beantworten. Forscher haben die Form der Werte untersucht, was die Typ-Skalen wirklich messen und ob Menschen in Gruppen fallen, wenn ihnen niemand sagt, wo die Linien verlaufen. So sieht Persönlichkeitstypen Psychologie heute aus.
Die Forschung in einer Tabelle
| Frage | Was die Studie fand |
|---|---|
| Teilen sich die Typ-Werte in zwei Gruppen? | Nein: sorgfältig ausgewertet häuften sie sich in der Mitte, bei etwa 12.000 Menschen |
| Was messen die vier Typ-Skalen? | Vier der fünf Big-Five-Eigenschaften, bei 267 Männern und 201 Frauen im Alter von 19 bis 93 |
| Fallen Menschen von selbst in Gruppen? | Mindestens vier häufige Profile, bei mehr als 1,5 Millionen Menschen |
| Halten diese Gruppen stand? | Umstritten: Eine Antwort argumentierte, sie seien vielleicht weder belastbar noch vollständig |
Haben die Typ-Werte zwei Gipfel?
Verfechter von Typen verwiesen einst auf Studien, in denen die Werte eines bekannten Fragebogens mit sechzehn Typen zwei Gipfel zu bilden schienen. Eine Studie aus dem Jahr 2002 wertete die Antworten von etwa 12.000 Menschen neu aus, die ihn in Führungsprogrammen ausgefüllt hatten. Die Gipfel stellten sich als Artefakt einer Standardeinstellung der Auswertungssoftware heraus, die entlang jeder Skala nur 10 Punkte nutzte. Mit 50 waren die Werte stark in der Mitte gehäuft, wie bei einer Eigenschaft[1].
Mit anderen Worten: Die meisten Menschen lagen bei jeder Dimension irgendwo in der Mitte. Die Mitte in zwei Buchstaben zu teilen setzt Menschen, die fast gleich sind, auf gegenüberliegende Seiten einer Linie.
Was die sechzehn Typen messen
In einer Studie aus dem Jahr 1989 verglichen Robert McCrae und Paul Costa diesen Fragebogen mit einem Big-Five-Fragebogen, mit Selbstauskünften und Einschätzungen durch andere, bei 267 Männern und 201 Frauen im Alter von 19 bis 93. Sie fanden keine Stütze für wirkliche Entweder-oder-Vorlieben oder für qualitativ verschiedene Typen. Der Fragebogen maß vier ziemlich unabhängige Dimensionen, und diese vier entsprachen vier der fünf großen Persönlichkeitseigenschaften[2].
Unsere eigene Typ-Ansicht ordnet sie so zu, Skala für Skala:
- Introversion und Extraversion: die Extraversion der Big Five.
- Sinneswahrnehmung und Intuition: Offenheit.
- Denken und Fühlen: Verträglichkeit.
- Urteilen und Wahrnehmen: Gewissenhaftigkeit.
- Neurotizismus, die fünfte Eigenschaft, bekommt gar keinen Buchstaben.
Ein Code aus vier Buchstaben enthält also echte Information, aber weniger als vier Werte, und er lässt aus, wie leicht du dir Sorgen machst oder Stress spürst, was die Big Five als eigene Eigenschaft behandeln.
Gibt es nun doch Typen?
Gibt es Persönlichkeitstypen vielleicht in einem lockereren Sinn: Manche Kombinationen von Eigenschaften könnten schlicht häufiger sein als andere. In einer Studie aus dem Jahr 2018 durchsuchte ein Forschungsteam vier große Datensätze mit mehr als 1,5 Millionen Menschen nach Gruppen, die dichter waren als der Zufall. Es berichtete von belastbaren Hinweisen auf mindestens vier Typen und merkte an, dass die Existenz von Persönlichkeitstypen äußerst umstritten bleibt[3].
Andere Forscher waren nicht überzeugt. Eine Antwort aus dem Jahr 2019 argumentierte schon in ihrem Titel, die vier Typen seien vielleicht weder belastbar noch vollständig[4]. Selbst bei großzügigster Lesart waren die vier Gegenden, in denen es mehr Menschen gibt, mit den meisten Menschen dazwischen, und keine Schubladen, in die alle passen.
Etiketten bleiben, Eigenschaften bewegen sich
Ein Typ wird meist als etwas dargestellt, das du ein Leben lang bist. Eigenschaften sind beständiger als Stimmungen, aber sie bewegen sich. Eine Übersicht über 92 Stichproben, die über Jahre begleitet wurden, fand, dass Menschen im Schnitt gewissenhafter und emotional stabiler werden, besonders zwischen 20 und 40, und dass die Offenheit in der Jugend steigt und im hohen Alter sinkt[5]. Wer mit zwanzig nahe der Linie zwischen zwei Buchstaben lag, kann mit vierzig klar auf einer Seite stehen. Ein Wert auf einer Skala zeigt diese Veränderung, ein Buchstabe versteckt sie, bis er springt.
Welcher Persönlichkeitstyp bin ich also?
Die ehrliche Antwort lautet: wahrscheinlich eine Mischung. Deine Persönlichkeit lässt sich besser beschreiben mit dem Platz auf fünf Skalen als mit einem von sechzehn Etiketten. Wenn du bei einer Skala nahe der Mitte liegst, was die meisten bei mindestens einer tun, ist der Buchstabe dafür fast ein Münzwurf, und eine kleine Änderung deiner Antworten kann ihn umkippen.
Ein Typ ist als schnelle Zusammenfassung trotzdem nützlich, solange du ihn auch so liest. Man merkt ihn sich leicht und kann gut darüber reden, und die Skalen dahinter messen echte Eigenschaften. Die Schwierigkeit beginnt, wenn ein Etikett als feste Kategorie behandelt wird, die entscheidet, wofür du geeignet bist. Gibt es Persönlichkeitstypen? Als Kurzform ja, als feste Schubladen nein.
- Sieh dir die Skala hinter jedem Buchstaben an, nicht nur den Buchstaben.
- Behandle einen Buchstaben nahe der Mitte als beides, nicht als eins von beiden.
- Denk an die Eigenschaft, die die vier Buchstaben auslassen.
- Rechne damit, dass sich deine Antworten mit Stimmung und Zeit ein wenig verschieben.
So funktioniert unser Typen-Test
Unser Persönlichkeitstypen-Test ist eine Ansicht eines Big-Five-Ergebnisses und kein eigener Fragebogen. Er nutzt dieselben 120 Aussagen wie der Big-Five-Test, zeigt zuerst vier Regler und gibt erst danach den nächstliegenden Code aus vier Buchstaben. Ein Regler nahe der Mitte zeigt beide Buchstaben. Er ist nicht der kommerzielle Fragebogen, durch den die sechzehn Typen am bekanntesten sind, und er benutzt keine geschützten Typnamen. Was gibt es für Persönlichkeitstypen in unserem Test? Genau die Buchstaben-Codes, die diese vier Regler ergeben.
Der Text zu Big Five gegen die sechzehn Typen stellt die beiden nebeneinander.
Die fünf Eigenschaften selbst und worin sich die Forschung über sie einig ist, erklärt der Text die Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale.
Fragen
Gibt es Persönlichkeitstypen wirklich?
Nicht als getrennte Schubladen. Die Werte hinter den beliebten Typen häufen sich in der Mitte, und die Typ-Skalen messen Eigenschaften. Manche Kombinationen von Eigenschaften könnten häufiger sein als andere, aber auch das ist umstritten.
Was ist der Unterschied zwischen einem Typ und einer Eigenschaft?
Ein Typ steckt dich in eine Kategorie, eine Eigenschaft setzt dich auf eine Skala. Die Forschung zur Persönlichkeit stützt Skalen, auf denen die meisten Menschen nahe der Mitte liegen.
Warum bekam ich einen anderen Typ, als ich den Test wiederholte?
Wahrscheinlich, weil du bei einer der Skalen nahe der Mitte liegst. Eine kleine Änderung deiner Antworten schiebt dich über die Linie zwischen zwei Buchstaben.
Was ist besser, die Big Five oder die sechzehn Typen?
Um Menschen zu beschreiben, die Big Five: Sie behalten die Werte, enthalten eine fünfte Eigenschaft und sind das Modell, das die Studien auf dieser Seite benutzen. Die sechzehn Typen sind leichter zu merken.
Quellen
- Bess, T. L., & Harvey, R. J. (2002). Bimodal score distributions and the Myers-Briggs Type Indicator: Fact or artifact?. Journal of Personality Assessment, 78(1), 176–186.doi:10.1207/S15327752JPA7801_11
Abstract: "Using the BILOG IRT program to score a sample of approximately 12,000 individuals who participated in leadership development programs, theta score distributions for the 4 dimensions of the MBTI computed using 10 (the BILOG default) versus 50 quadrature points were compared. Results indicated that past reports of bimodality were artifacts caused by BILOG's default use of a small number of quadrature points; when larger numbers of points were used, score distributions became strongly center-weighted."
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11936208/) - McCrae, R. R., & Costa, P. T., Jr. (1989). Reinterpreting the Myers-Briggs Type Indicator from the perspective of the five-factor model of personality. Journal of Personality, 57(1), 17–40.doi:10.1111/j.1467-6494.1989.tb00759.x
Men and women aged 19 to 93Abstract: "Data were provided by 267 men and 201 women ages 19 to 93. Consistent with earlier research and evaluations, there was no support for the view that the MBTI measures truly dichotomous preferences or qualitatively distinct types; instead, the instrument measures four relatively independent dimensions." "However, correlational analyses showed that the four MBTI indices did measure aspects of four of the five major dimensions of normal personality."
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2709300/) - Gerlach, M., Farb, B., Revelle, W., & Nunes Amaral, L. A. (2018). A robust data-driven approach identifies four personality types across four large data sets. Nature Human Behaviour, 2(10), 735–742.doi:10.1038/s41562-018-0419-z
Title: "A robust data-driven approach identifies four personality types across four large data sets". Abstract: "In contrast to personality traits, the existence of personality types remains extremely controversial4." "Here we develop an alternative approach to the identification of personality types, which we apply to four large data sets comprising more than 1.5 million participants. We find robust evidence for at least four distinct personality types"
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31406291/) - Freudenstein, J.-P., Strauch, C., Mussel, P., & Ziegler, M. (2019). Four personality types may be neither robust nor exhaustive. Nature Human Behaviour, 3(10), 1045–1046.doi:10.1038/s41562-019-0721-4
PubMed record: "Nat Hum Behav. 2019 Oct;3(10):1045-1046." "Four personality types may be neither robust nor exhaustive." "Comment on Nat Hum Behav. 2018 Oct;2(10):735-742." (a comment without an abstract)
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31527680/) - Roberts, B. W., Walton, K. E., & Viechtbauer, W. (2006). Patterns of mean-level change in personality traits across the life course: A meta-analysis of longitudinal studies. Psychological Bulletin, 132(1), 1–25.doi:10.1037/0033-2909.132.1.1
Abstract: "The present study used meta-analytic techniques (number of samples = 92) to determine the patterns of mean-level change in personality traits across the life course. Results showed that people increase in measures of social dominance (a facet of extraversion), conscientiousness, and emotional stability, especially in young adulthood (age 20 to 40). In contrast, people increase on measures of social vitality (a 2nd facet of extraversion) and openness in adolescence but then decrease in both of these domains in old age. Agreeableness changed only in old age."
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16435954/)