Kapazität Kurzzeitgedächtnis: Wie viele Zahlen kannst du dir merken?
Die Kapazität Kurzzeitgedächtnis zeigt sich in deiner Gedächtnisspanne: die längste Liste, die du gleich nach dem Hören oder Sehen wiederholen kannst. Bei Ziffern schaffen die meisten Erwachsenen zwischen 5 und 7. Dort lagen die meisten von 763 Erwachsenen in einer sorgfältigen Studie aus dem Jahr 2011[1]. Die bekannte Faustregel, sieben plus minus zwei, stammt aus einem Aufsatz von 1956[2]. Spätere Forschung legt nahe, dass die wahre Grenze dessen, was wir auf einmal halten können, kleiner ist, etwa 4 Einheiten, und dass wir die Sieben erreichen, indem wir Ziffern zu Einheiten bündeln[3].
Die Zahlen in einer Tabelle
| Was gemessen wurde | Zahl |
|---|---|
| Ziffern, die die meisten Erwachsenen wiederholen (Computertest, gesprochene Ziffern) | 5 bis 7 |
| Millers Faustregel für Listen aus Ziffern und Wörtern | 5 bis 9 |
| Quadrate, die in der richtigen Reihenfolge angetippt werden (räumliche Spanne): der Durchschnitt | 5,2 |
| Was ohne Bündeln auf einmal gehalten werden kann, laut einer Übersicht | etwa 4 Einheiten |
| Die Zahlenspanne eines Studenten nach langem Üben | 79 |
Die ersten drei Zeilen messen eine Spanne direkt. Die vierte ist die Deutung vieler Versuche. Die letzte zeigt, wie weit ein Mensch mit einer Technik kam, nicht, was das Gedächtnis allein kann.
Woher die Sieben kommt
Im Jahr 1956 veröffentlichte der Psychologe George Miller einen Aufsatz mit dem Titel "The magical number seven, plus or minus two", auf Deutsch etwa: die magische Zahl sieben, plus minus zwei. Er sah sich die Versuche seiner Zeit an und stellte fest, dass Menschen nach einmaligem Hören etwa sieben Ziffern, Buchstaben oder Wörter wiederholen konnten und dass die Zahl bei den verschiedenen Arten von Material seltsam ähnlich blieb[2]. Der Titel wurde zu einem der bekanntesten Sätze der Psychologie.
Miller hat keine Gruppe von Menschen selbst gemessen. Seine Spanne fasst andere Versuche zusammen und ist keine Grenze aus einer einzigen Studie. Als Beschreibung eines klassischen Zahlenspannen-Tests stimmt sie trotzdem: Die meisten Erwachsenen landen in der Mitte, zwischen fünf und neun.
Was ein sorgfältiger moderner Test findet
Eine Studie aus dem Jahr 2011 testete 763 Freiwillige im Alter von 18 bis 65 Jahren in Neuseeland mit einer vom Computer geleiteten Zahlenspanne. Die Ziffern wurden einzeln gesprochen, jede Liste war um eine Ziffer länger als die letzte, die richtig wiederholt wurde, und der Test endete nach zwei Fehlern bei einer Länge. Die Spanne der meisten lag bei 5 bis 7 Ziffern, der mittlere Wert war sechs[1].
Eine Spanne für Orte funktioniert genauso. In einer Computerversion der Corsi-Aufgabe leuchten Quadrate auf dem Bildschirm nacheinander auf, und du klickst sie in derselben Reihenfolge an. Die Kontrollgruppe einer Studie aus dem Jahr 2016, 187 Menschen im Alter von 18 bis 82 Jahren, kam im Durchschnitt auf eine Spanne von 5,2 Quadraten, bei einer Streuung von etwa 1,2[4]. In diesen beiden Studien war die Spanne für Orte etwas kürzer als die für Ziffern.
Sieben oder vier?
Im Jahr 2001 wertete der Psychologe Nelson Cowan viele Versuche aus und argumentierte, Millers Sieben sei eine grobe Schätzung und keine echte Grenze. Wenn Menschen Dinge nicht bündeln oder in Gedanken wiederholen können, liegt die Grenze nach seinem Befund bei etwa drei bis fünf Einheiten, mit einer mittleren Kapazität von etwa 4[3].
Beide Zahlen passen zusammen, und zwar durch das Bündeln. Eine Einheit ist jede Gruppe, die du als ein Ding im Kopf hältst. Eine Telefonnummer in drei Gruppen ist leichter als dieselben Ziffern am Stück, weil jede Gruppe zu einer Einheit wird. Wenn du sieben Ziffern wiederholst, hältst du meist drei oder vier kleine Gruppen, und sie dir leise vorzusagen hilft, sie am Leben zu halten.
Darum laufen Spannentests schnell und mit zufälligen Ziffern ab: Eine bekannte Folge wie eine Jahreszahl oder eine Telefonnummer wäre eine einzige Einheit und ließe die Spanne länger aussehen.
Wie weit Übung führen kann
Eine Spanne ist nicht fest. In einer Studie aus dem Jahr 1980 übte ein Student im Labor mehr als 230 Stunden lang Ziffernlisten. Seine Spanne wuchs von 7 auf 79 Ziffern, und bei anderen Gedächtnistests mit Ziffern hielt er mit Menschen mit, die ihr Leben lang das Gedächtnis trainiert hatten[5].
Die Autoren führten das auf ein Merksystem zurück, eine Art, Ziffern in etwas Sinnvolles zu verwandeln, das das Langzeitgedächtnis halten kann, und schrieben, dass es mit einem solchen System scheinbar keine Grenze dafür gibt, was Übung bewirken kann[5]. Er bekam kein größeres Kurzzeitgedächtnis, er fand einen Weg darum herum. Das zeigt, wie sehr ein Spannentest neben der Kapazität auch eine Strategie misst.
Auch das Alter spielt eine Rolle, aber sanfter. In einer großen Online-Studie mit Menschen von 10 bis 69 Jahren erreichten die Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis mit etwa 30 Jahren ihren Höhepunkt und ließen danach langsam nach[6].
Wie der Test abläuft, ändert das Ergebnis
Eine Spanne ist immer die Spanne in einem bestimmten Test. Die sorgfältige Studie oben sprach die Ziffern nacheinander laut aus, und die Freiwilligen wiederholten jede Liste[1]. Unser Test zeigt sie stattdessen auf dem Bildschirm: Jede Ziffer erscheint für 0,7 Sek., alle 1 Sek. kommt eine neue. Hören und Sehen sind verschiedene Wege ins Gedächtnis, die beiden Tests sind also nahe Verwandte und nicht derselbe Test. Wer nach einer Zahlenspanne vorwärts rückwärts sucht: Hier geht es um das Nachsprechen in der Reihenfolge, in der die Ziffern kamen.
Auch das Tempo zählt. Werden die Ziffern langsam gezeigt, bleibt Zeit, sie vorzusagen und zu bündeln, bei schnellem Tempo nicht. Darum legen sorgfältige Tests das Tempo fest, und darum darfst du eine Spanne, die in einem anderen Tempo oder mit Ziffern gemessen wurde, die du alle auf einmal sehen konntest, nicht direkt mit einer anderen vergleichen. Auch die Regel für den Abbruch zählt: Ein Test, der nach einem Fehler endet, gibt niedrigere Spannen als einer mit einem zweiten Versuch.
Was das für dein eigenes Ergebnis bedeutet
- Eine Spanne zwischen fünf und sieben Ziffern erreichen die meisten Erwachsenen bei einem sorgfältigen Test, acht oder neun ist gut.
- Tests unterscheiden sich: Ziffern auf dem Bildschirm, laut gesprochene Ziffern und Quadrate auf einem Raster ergeben leicht verschiedene Spannen.
- Wenn du die Ziffern beim Sehen gruppierst, bündelst du, und genau dafür ist das Gedächtnis da. Wisse nur, dass es die Zahl hebt.
- An einem müden oder abgelenkten Tag kann dich das eine oder zwei Ziffern kosten. Versuche es ein anderes Mal noch einmal, bevor du Schlüsse ziehst.
Unser Zahlengedächtnis-Test zeigt eine Ziffer nach der anderen, beginnt mit Listen von 3, gibt zwei Listen bei jeder Länge und endet nach zwei Fehlern bei einer Länge, ähnlich wie der sorgfältige Test oben. Ein Gedächtnistest im Browser ist für Neugier und zum Nachdenken über dich selbst, keine medizinische oder psychologische Untersuchung.
Einen Gedächtnistest, bei dem ein junger Schimpanse einmal Studenten schlug, findest du unter Schimpansen-Gedächtnistest.
Fragen
Was ist eine normale Gedächtnisspanne?
Bei Ziffern wiederholen die meisten Erwachsenen zwischen 5 und 7. Millers bekannte Spanne ist 5 bis 9.
Sind es sieben oder vier Dinge?
Beides, auf eine Art. Menschen wiederholen etwa sieben Ziffern, aber eine Übersicht argumentiert, dass nur etwa 4 Einheiten auf einmal gehalten werden und dass wir die Sieben durch Bündeln erreichen.
Kann man die Gedächtnisspanne trainieren?
Man kann eine Technik trainieren. Ein Student steigerte seine Zahlenspanne nach mehr als 230 Stunden Übung von 7 auf 79, mit einer Merktechnik und nicht mit einem größeren Gedächtnis.
Was ist der Unterschied zwischen Gedächtnisspanne und Arbeitsgedächtnis?
Ein Spannentest bittet dich, eine Liste zu halten und zu wiederholen. Das Arbeitsgedächtnis ist die weitere Fähigkeit, etwas im Kopf zu behalten, während du es benutzt, zum Beispiel beim Kopfrechnen. Spannentests messen einen Teil davon.
Quellen
- Woods, D. L., Kishiyama, M. M., Yund, E. W., Herron, T. J., Edwards, B., Poliva, O., Hink, R. F., & Reed, B. (2011). Improving digit span assessment of short-term verbal memory. Journal of Clinical and Experimental Neuropsychology, 33(1), 101–111.doi:10.1080/13803395.2010.493149
n = 763; Community volunteers in Rotorua, New Zealand, aged 18 to 65 (mean age 46.5), a random selection of residentsExperiment 2, Methods: "a 10-list test was administered to 763 community volunteers in Rotorua, New Zealand"; Subjects: "Subjects ranged in age from 18 to 65 yrs (mean age = 46.5 years)". Results: "TE-ML showed a median span of 6 with 80% of subjects showing spans between 5 and 7 digits." Table 6, FS TE-ML: "Mean 6.35", "SD 1.15".
(gelesen am 2026-10-06: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2978794/) - Miller, G. A. (1956). The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information. Psychological Review, 63(2), 81–97.doi:10.1037/h0043158
Adults in the laboratory studies the essay reviewsTitle: "The Magical Number Seven, Plus or Minus Two". Text: "decimal digits are worth 3.3 bits apiece. We can recall about seven of them".
(gelesen am 2026-10-01: https://psychclassics.yorku.ca/Miller/) - Cowan, N. (2001). The magical number 4 in short-term memory: A reconsideration of mental storage capacity. Behavioral and Brain Sciences, 24(1), 87–114.doi:10.1017/S0140525X01003922
Title: "The magical number 4 in short-term memory". Abstract: "Miller (1956) summarized evidence that people can remember about seven chunks in short-term memory (STM) tasks." "Others have since suggested that there is a more precise capacity limit, but that it is only three to five chunks." "A single, central capacity limit averaging about four chunks is implicated along with other, noncapacity-limited sources."
(gelesen am 2026-10-06: https://www.cambridge.org/core/journals/behavioral-and-brain-sciences/article/magical-number-4-in-shortterm-memory-a-reconsideration-of-mental-storage-capacity/44023F1147D4A1D44BDC0AD226838496) - Woods, D. L., Wyma, J. M., Herron, T. J., & Yund, E. W. (2016). The effects of repeat testing, malingering, and traumatic brain injury on computerized measures of visuospatial memory span. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 690.doi:10.3389/fnhum.2015.00690
n = 187; Control participants aged 18 to 82 (mean age 41.1), the normative sample of the authors' computerized spatial span testTable 1, row "Normative": "Control | 187 | 18–82; 41.1 (21.3)". Table 2, row "Normative", column MS: "5.15 (1.20)"; note: "MS, Corsi block span, maximum sequence length reported before missing two successive trials".
(gelesen am 2026-10-06: https://www.frontiersin.org/journals/human-neuroscience/articles/10.3389/fnhum.2015.00690/full) - Ericsson, K. A., Chase, W. G., & Faloon, S. (1980). Acquisition of a memory skill. Science, 208(4448), 1181–1182.doi:10.1126/science.7375930
One student, trained in the laboratoryAbstract: "After more than 230 hours of practice in the laboratory, a subject was able to increase his memory span from 7 to 79 digits. His performance on other memory tests with digits equaled that of memory experts with lifelong training. With an appropriate mnemonic system, there is seemingly no limit to memory performance with practice."
(gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7375930/) - Hartshorne, J. K., & Germine, L. T. (2015). When does cognitive functioning peak? The asynchronous rise and fall of different cognitive abilities across the life span. Psychological Science, 26(4), 433–443.doi:10.1177/0956797614567339
Visitors to TestMyBrain.org aged 10 to 69, and the norming samples of two adult test batteriesAbstract: "some abilities peak and begin to decline around high school graduation; some abilities plateau in early adulthood, beginning to decline in the 30s; still others do not peak until the 40s or later." Experiment 2: "Participants in Experiment 2 (N=10,394, 10–69 years-old) were visitors to TestMyBrain.org" Results: "the two working memory tasks peaked at around 30 years, significantly later than processing speed (ps<.01) and significantly earlier than vocabulary (ps<.0001)" Experiment 1: "The WAIS-III sample consisted of 2,450 healthy, cognitively-unimpaired Americans"
(gelesen am 2026-10-06: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4441622/)