Input Lag: Wie viel Verzögerung steckt in deinem Gerät?

Input Lag ist die Verzögerung zwischen deiner Handlung, oder einer Änderung auf dem Bildschirm, und dem Moment, in dem sie registriert wird: die Zeit, die deine Maus, dein Computer und dein Bildschirm zu deiner eigenen Reaktion hinzufügen. Ein schnellerer Bildschirm hilft vor allem, weil er diese Verzögerung senkt. In einer Studie mit geübten E-Sport-Spielern verbesserte eine kürzere Verzögerung ihr Zielen deutlich, während eine höhere Bildwiederholrate allein, bei gleicher Verzögerung, kaum einen Unterschied machte[1]. Ein Reaktionstest im Browser enthält immer etwas Input Lag: Roboter-Tests an gewöhnlichen Computern und Handys fanden Verzögerungen von etwa 57,6 ms bis 132,9 ms[2].

Bildwiederholrate deines Bildschirms testen

Die Zahlen in einer Tabelle

Verzögerungen, die Geräte hinzufügen, in den Studien auf dieser Seite
Was gemessen wurdeZahl
Ein abgestimmter Gaming-Computer, vom Klick bis zum Licht auf einem 60-Hz-Bildschirm, niedrigste Einstellung22 ms
Derselbe Computer mit absichtlich hinzugefügter Verzögerung55 ms und 88 ms
Ein geeichter Laborbildschirm und eine geeichte Maus: Reaktionszeit vor und nach dem Herausrechnen ihrer Verzögerung230,8 ms und 213 ms
Ein Browser am Handy oder Laptop, vom Druck eines Roboters bis zur aufgezeichneten Zeit57,6 ms bis 132,9 ms
Übliche Browser auf Desktop-Computern und Laptops, dieselbe Art von Messung76,5 ms bis 82,3 ms

Die Browser-Zahlen sind größer als die vom Gaming, weil sie alles enthalten, vom Druck auf eine Taste oder den Bildschirm bis zu dem Moment, in dem eine Webseite ihn aufzeichnet, auf gewöhnlichen Geräten und Einstellungen. Sie wurden mit Robotern gemessen, es steckt also keine menschliche Reaktion darin.

Woher die Verzögerung kommt

  1. Das Eingabegerät. Eine Maus oder Tastatur prüft ihre Tasten und schickt dem Computer in einem festen Takt einen Bericht. Ein Touchscreen braucht Zeit, um einen Finger zu bemerken.
  2. Der Computer. Das Betriebssystem gibt die Eingabe an den Browser oder das Spiel weiter, das ausrechnet, was als Nächstes zu zeichnen ist.
  3. Der Bildschirm. Ein neues Bild wird erst bei der nächsten Auffrischung gezeigt, und danach braucht das Display noch einen Moment, um seine Pixel zu ändern.

Jeder Schritt ist klein, aber sie summieren sich. Dieselbe Kette wirkt bei einem Reaktionstest in die andere Richtung: Das Signal wartet auf den Bildschirm, und dein Druck wartet auf das Gerät und den Browser.

Was die Bildwiederholrate bewirkt

Ein 60-Hz-Bildschirm zeichnet sechzigmal pro Sekunde ein neues Bild, eine Änderung kann also bis zu einer Sechzigstelsekunde warten, bevor sie erscheint. Ein 144-Hz-Bildschirm zeichnet 144-mal pro Sekunde neu, die längste Wartezeit sinkt damit auf eine Hundertvierundvierzigstelsekunde. Das ist eine echte Ersparnis von ein paar Tausendstelsekunden, und Bewegung sieht außerdem flüssiger aus.

Forscher einer Grafikfirma fragten, was wichtiger ist: die höhere Bildwiederholrate selbst oder die niedrigere Verzögerung, die mit ihr kommt. Sie testeten acht geübte E-Sport-Spieler im Alter von 27 bis 36 Jahren bei 60, 120, 240 und 360 Hz und fügten bei den höheren Raten Verzögerung hinzu, damit sie bei jeder Rate gleich war. Das Zielen auf Ziele wurde deutlich schneller, wenn die Verzögerung niedriger war. Die Bildwiederholrate allein hatte keine bedeutsame Wirkung darauf, ein Ziel mit einem Klick zu treffen, und nur eine kleine darauf, einem bewegten Ziel zu folgen[1].

Ihr Titel fasst es zusammen: Eine Verzögerung von 30 ms ist wichtiger als eine Bildwiederholrate über 60 Hz. Ein schneller Bildschirm lohnt sich vor allem, weil er meist weniger Verzögerung mitbringt.

Mäuse und Tastaturen

Eine Maus meldet sich dem Computer in einer festen Zahl pro Sekunde, ihrer Berichtsrate oder Abfragerate. Ein Hersteller nennt 125 (laut Hersteller)[4] Berichte pro Sekunde als langsamste Einstellung einer Gaming-Maus und 1.000 (laut Hersteller)[4] als schnellste. Eine 1000-Hz-Maus meldet sich achtmal so oft wie eine mit 125 Hz, was die Wartezeit auf den nächsten Bericht höchstens um ein paar Tausendstelsekunden verkürzt.

Tastaturen unterscheiden sich stärker, als man erwartet. Die Roboter-Studie über Browser fand einen Laptop mit eingebauter Tastatur nicht langsamer als einen Desktop mit angeschlossener: Unter Windows kam der Laptop im Schnitt auf 73,7 ms und der Desktop auf 76,2 ms[5]. Der gesamte Aufbau war wichtiger als die Art der Tastatur.

Was ein Browser hinzufügt

Zwei Studien drückten Geräte mit Robotern und verglichen die wirkliche Zeit jedes Drucks mit der Zeit, die eine Webseite aufzeichnete. Auf zwei Laptops und zwei Handys, die damals ein paar Jahre alt waren, zeichnete jeder Browser Reaktionen als langsamer auf, als sie waren, im Schnitt um 57,6 ms auf einem iPhone in Safari bis zu 132,9 ms auf einem Mac in Safari[2]. Bei Desktop-Computern und Laptops fand die zweite Studie durchschnittliche Verzögerungen von 76,5 ms bis 82,3 ms je nach Browser[5].

Genauigkeit ist eine andere Frage als Verzögerung. Eine Verzögerung, die jedes Mal gleich ist, verschiebt jedes Ergebnis gleich und ändert nichts am Vergleich zwischen zwei deiner eigenen Durchgänge. Eine schwankende Verzögerung verwischt kleine Unterschiede. Ein großer Vergleich von Experimentsoftware fand, dass die meisten Programme Antwortzeiten im Browser mit einer Genauigkeit unter 10 ms erfassten, gegen unter 1 ms bei der besten Laborsoftware[6].

Die Roboter-Zahlen enthalten die ganze Kette auf Alltagsgeräten, nicht nur den Browser. Sie zeigen, warum eine Reaktionszeit, die auf einer Webseite gemessen wird, höher ausfällt als eine aus dem Labor, und warum du Ergebnisse von zwei verschiedenen Geräten nicht vergleichen solltest, als wären sie dasselbe Messgerät.

Was das für dein eigenes Ergebnis bedeutet

  • Ein schnellerer Bildschirm oder eine schnellere Maus kann ein paar Tausendstelsekunden von deiner gemessenen Zeit abziehen. Deine eigene Reaktion ist meist zehnmal so lang oder mehr.
  • Den größten Gewinn bringt eine niedrigere Gesamtverzögerung: eine Maus mit Kabel, ein Bildschirm auf höchster Bildwiederholrate und andere geschlossene Programme.
  • Ergebnisse verschiedener Geräte unterscheiden sich stärker, als ein besserer Bildschirm ändern kann. Vergleiche deine Ergebnisse auf einem Gerät.

Unsere Reaktionstests rechnen die Verzögerungen ein, die diese Roboter-Studien fanden, abzüglich der Verzögerung, die der Aufbau der Laborstudie selbst hatte: 44,1 ms bis 115,1 ms mit Tastatur oder Maus und 39,8 ms bis 52 ms mit Touchscreen. Keine Studie hat eine Maus gedrückt, darum bekommt eine Maus die Zahlen der Tastatur. Den Vergleich zeigen wir deshalb als Spanne, und am Computer ist die Spanne breit, nimm sie also als groben Hinweis. Wer den Input Lag messen und den Monitor prüfen will, sieht im Monitor-Hz-Test und im Polling-Rate-Test, was dein eigener Bildschirm und deine Maus tun.

Wie Labore, Sprintstarts und Browser eine Reaktion jeweils zeitlich erfassen, erklärt wie man die Reaktionszeit misst.

Fragen

Reagiert man mit einem schnelleren Bildschirm schneller?

Nicht deine eigene Reaktion. Er kann die Verzögerung des Bildschirms ein wenig senken, was deine gemessene Zeit ein wenig senkt. In einer Studie mit E-Sport-Spielern half eine niedrigere Verzögerung dem Zielen deutlich, während die Bildwiederholrate allein, bei gleicher Verzögerung, kaum einen Unterschied machte.

Wie viel Input Lag fügt ein Browser hinzu?

Auf den Alltags-Laptops und -Handys, die mit einem Roboter getestet wurden, waren die aufgezeichneten Zeiten im Schnitt um 57,6 ms bis 132,9 ms zu langsam, je nach Gerät und Browser.

Lohnt sich eine Maus mit hoher Abfragerate?

Sie verkürzt die Wartezeit auf den nächsten Bericht um ein paar Tausendstelsekunden. Das ist echt, aber klein im Vergleich zum Rest der Kette und zu einer menschlichen Reaktion.

Warum ist meine Reaktionszeit auf einem anderen Computer anders?

Weil jedes Gerät seine eigene Verzögerung hinzufügt. Roboter-Tests fanden zwischen Browsern und Geräten Unterschiede von mehreren Hundertstelsekunden. Vergleiche deine Ergebnisse deshalb auf einem Gerät.

Quellen

  1. Spjut, J., Boudaoud, B., Binaee, K., Kim, J., Majercik, A., McGuire, M., Luebke, D., & Kim, J. (2019). Latency of 30 ms benefits first person targeting tasks more than refresh rate above 60 Hz. SIGGRAPH Asia 2019 Technical Briefs.doi:10.1145/3355088.3365170
    Eight skilled esports players aged 27 to 36
    Title: "Latency of 30 ms Benefits First Person Targeting Tasks More Than Refresh Rate Above 60 Hz". Abstract: "we isolate latency and refresh rate by artificially increasing latency when operating at high refresh rates. Eight skilled esports athletes then perform gaming-inspired first person targeting tasks under varying conditions of refresh rate and latency" "We show that reduced latency has a clear benefit in task completion time while increased refresh rate has relatively minor effects on performance when the inherent latency reduction present at high refresh rates is removed." "Subjects. Eight subjects (aged 27-36)" "The selected refresh rates were: 60 Hz (today's baseline), 120 Hz (today's gamer), 240 Hz (gaming enthusiast) and 360 Hz (experimental)." Table 1, click to photon latency at 60 Hz: "22 (6.0) 55 (5.9) 88 (5.8)". Figure 1: "For the 1-hit tasks, latency has a significant effect on task completion times while the effect of refresh rate is not statistically significant." (gelesen am 2026-10-06: https://research.nvidia.com/sites/default/files/pubs/2019-11_Latency-of-30/FPS_Tasks_sa2019_AuthorVersion.pdf)
  2. Pronk, T., Wiers, R. W., Molenkamp, B., & Murre, J. (2020). Mental chronometry in the pocket? Timing accuracy of web applications on touchscreen and keyboard devices. Behavior Research Methods, 52(3), 1371–1382.doi:10.3758/s13428-019-01321-2
    Four devices from 2015 and 2016: a MacBook Pro, an ASUS laptop, a Samsung Galaxy S7 and an iPhone 6S, pressed by a robot
    Abstract: "In controlled circumstances, as can be realized in a lab setting, very accurate stimulus timing and moderately accurate RT measurements could be achieved on both touchscreen and keyboard devices, though RTs were consistently overestimated." Table 4 "Descriptives of RT overestimations (in milliseconds) per device and browser" (OS, Web Browser, Minimum, Maximum, Mean, SD): "Android Chrome 46.0 103.5 69.8 7.4", "iOS Safari 48.3 96.3 57.6 6.5", "MacOS Safari 93.0 163.7 132.9 8.1", "Windows Chrome 64.7 70.6 68.5 1.7", "Windows Firefox 49.8 84.9 61.9 5.7". (gelesen am 2026-10-06: https://www.ebi.ac.uk/europepmc/webservices/rest/PMC7280355/fullTextXML)
  3. Woods, D. L., Wyma, J. M., Yund, E. W., Herron, T. J., & Reed, B. (2015). Factors influencing the latency of simple reaction time. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 131.doi:10.3389/fnhum.2015.00131
    n = 1.469; Community volunteers in Rotorua, New Zealand, aged 18 to 65 (mean age 45.8, 40% men)
    Abstract: "Experiment 1 examined a community sample of 1469 subjects ranging in age from 18 to 65. Mean SRT latencies were short (231, 213 ms when corrected for hardware delays) and increased significantly with age (0.55 ms/year)". Table 2, column Experiment 1: "N 1469", "SRT 230.8", "SRT SD 26.8". (gelesen am 2026-10-01: https://www.frontiersin.org/journals/human-neuroscience/articles/10.3389/fnhum.2015.00131/full)
  4. Logitech (2026). Customize G PRO gaming mouse pointer settings with Logitech Gaming Software. Logitech Support.https://support.logi.com/hc/en-us/articles/360023183294-Customize-G-PRO-gaming-mouse-pointer-settings-with-Logitech-Gaming-Software
    A gaming mouse and its settings, as the maker describes them
    "Change the Report Rate, if you prefer something other than the default of 1000 reports/second (1ms response time). The Report Rate controls how often your mouse updates its position to the computer. NOTE: The possible range is from 125/sec (8ms response time) to 1000/sec (1ms response time)." (gelesen am 2026-10-06: https://support.logi.com/hc/en-us/articles/360023183294-Customize-G-PRO-gaming-mouse-pointer-settings-with-Logitech-Gaming-Software)
  5. Anwyl-Irvine, A., Dalmaijer, E. S., Hodges, N., & Evershed, J. K. (2021). Realistic precision and accuracy of online experiment platforms, web browsers, and devices. Behavior Research Methods, 53(4), 1407–1425.doi:10.3758/s13428-020-01501-5
    Desktop and laptop computers with Windows 10 and macOS, pressed by a robot; and the equipment of 202,600 online participants
    Abstract: "We then employed a robot actuator in realistic set-ups to measure response recording across the aforementioned platforms, and between different keyboard types (desktop and integrated laptop)." "We found that modern web platforms provide reasonable accuracy and precision for display duration and manual response time". Table 2 "RT delay is calculated as the difference between known and recorded RT." Browser means: "Chrome 78.81", "Edge 80.10", "Firefox 82.30", "Safari 76.50"; device means: "macOS-Desktop 85.35", "Windows-Desktop 76.24", "Windows-Laptop 73.65". Results: "We found that 77% of these devices were desktop or laptop computers, whereas only 20% were mobile devices" "Based on a sample of 202,600 participants." (gelesen am 2026-10-06: https://www.ebi.ac.uk/europepmc/webservices/rest/PMC8367876/fullTextXML)
  6. Bridges, D., Pitiot, A., MacAskill, M. R., & Peirce, J. W. (2020). The timing mega-study: comparing a range of experiment generators, both lab-based and online. PeerJ, 8, e9414.doi:10.7717/peerj.9414
    Abstract: "Among the lab-based experiments, Psychtoolbox, PsychoPy, Presentation and E-Prime provided the best timing, all with mean precision under 1 millisecond across the visual, audio and response measures." "Online studies did not deliver the same level of precision as lab-based systems, with slightly more variability in all measurements." "For response times (measured using a high-performance button box), most of the packages achieved precision at least under 10 ms in all browsers, with PsychoPy achieving a precision under 3.5 ms in all." "The results, from over 110,000 trials, highlight the wide range of timing qualities that can occur even in these dedicated software packages for the task." (gelesen am 2026-10-06: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33005482/)